2.2.2 Offene Jugendsozialarbeit
Zielgruppe
Jugendliche im offenen Betrieb einer Jugendfreizeiteinrichtung
(auch geeignet für heterogene Gruppen mit unterschiedlichen Sprach- und Technikkenntnissen)
Gruppengröße
offen – einzelne Jugendliche oder kleine Gruppen
(typisch: 1–6 gleichzeitig aktive Teilnehmende)
Zeitaufwand
sehr flexibel: 5 Minuten bis mehrere Stunden
Einzelne Spiele oder Aktionen können spontan begonnen und jederzeit beendet werden.
Technik / Material
- PCs, Laptops oder Tablets mit Internetzugang
- Smartphones der Jugendlichen (optional)
- Beamer/Bildschirm für gemeinsames Spielen (optional)
- QR-Code oder Link zu Beispielspielen
- Zugang zum ChatGameLab
Ziel des Formats
- niedrigschwelliger Einstieg in das Thema KI
- spielerisches Ausprobieren generativer KI
- Anknüpfung an Interessen und Lebenswelt der Jugendlichen
Ergebnis
Jugendliche spielen bestehende KI-Chatspiele, entwickeln eigene kleine Spielideen oder experimentieren mit Prompts. Gespräche über Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen von KI entstehen häufig situativ im Austausch während des Spielens.
Der Einsatz des ChatGameLab im offenen Betrieb unterscheidet sich in mehreren Punkten von einem Workshop mit fester Gruppe. Während in einer festen Gruppe mit einem gemeinsamen Einstieg, einer längeren Arbeitsphase und einem klaren Abschluss gearbeitet werden kann, ist der offene Betrieb stärker von Fluktuation, unterschiedlichen Interessen und kurzen Aufmerksamkeitsspannen geprägt. Teilnehmende kommen und gehen, schließen sich situativ an oder wenden sich anderen Aktivitäten zu. Daraus ergibt sich die Anforderung, das Angebot niedrigschwellig, flexibel und möglichst alltagsnah zu gestalten.
Gerade darin liegt jedoch auch eine Stärke des ChatGameLab. Es kann im offenen Betrieb auf sehr unterschiedliche Weise eingesetzt werden: als spontaner Gesprächsanlass, als kurzes Spielangebot, als kreativer Einstieg in das Thema KI oder als Ausgangspunkt für längere Auseinandersetzungen mit Prompts, Spielideen und KI-Reaktionen. Nicht alle Jugendlichen müssen dabei denselben Weg durchlaufen. Vielmehr kann das Angebot offen bleiben für verschiedene Interessen, Zugänge und Beteiligungstiefen.
Niedrigschwellige Einstiege ermöglichen
Damit Jugendliche sich auf das Angebot einlassen, braucht es im offenen Betrieb meist einen sichtbaren und ansprechenden Einstieg. Direkte Fragen wie „Hast du Lust, ein Spiel mit KI zu programmieren?“ können vor allem technikaffine Jugendliche ansprechen. Ebenso können bereits erstellte Beispielspiele genutzt werden, um einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, wie das ChatGameLab funktioniert und welche Art von Interaktion möglich ist.
Hilfreich kann auch ein QR-Code oder direkter Link zu einem gesponserten Beispielspiel sein, der in der Einrichtung sichtbar platziert wird. Besonders geeignet sind dabei Spiele mit Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen oder zur Einrichtung selbst, etwa zu einem Raum, einer Veranstaltung oder einer typischen Alltagssituation. So entsteht schnell ein inhaltlicher Anknüpfungspunkt.
Auch das öffentliche Spielen über Projektor oder Bildschirm kann im offenen Betrieb gut funktionieren. Wenn ein Spiel im Raum sichtbar wird und gemeinsam kommentiert werden kann, wird das ChatGameLab als lebendiges Angebot erfahrbar. Jugendliche können zunächst zuschauen, sich einmischen und später selbst aktiv werden.
An Interessen und Lebenswelt anknüpfen
Wenn Jugendliche eigene Spiele entwickeln, ist es hilfreich, an ihre Interessen anzuschließen. Gute Einstiege können Fragen nach Lieblingsfilmen, Serien, Games oder Figuren sein. Häufig entstehen daraus Crossover-Ideen wie „Barbie x Zombies“ oder „Star Wars x Pokémon“, die kreativ, humorvoll und motivierend wirken. Solche Anknüpfungen erleichtern den Zugang, weil sie an bereits vorhandene Vorlieben und Medienerfahrungen anschließen (vgl. Abb. 11).
Neben aktuellen popkulturellen Bezügen können auch Märchen, Sagen, historische Stoffe, Memes oder andere bekannte Erzählwelten aufgegriffen und miteinander kombiniert werden. Viele dieser Inhalte sind den verwendeten KI-Modellen bekannt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die zugrunde liegenden Systeme häufig stärker mit englischsprachigen und westlich geprägten Daten trainiert wurden (Verzerrungen). Das kann dazu führen, dass westliche oder international sehr verbreitete Referenzen eher erkannt und verarbeitet werden als andere kulturelle Bezüge (vgl. Kap. 1.3).

Zugleich zeigt sich hier eine Besonderheit des ChatGameLab: Viele bekannte Genres oder Spielideen lassen sich nicht eins zu eins umsetzen, sondern müssen in eine textbasierte, erzählerische Form übersetzt werden. Das kann irritieren, aber auch produktiv sein, weil bekannte Spielmuster neu gedacht werden müssen.
Mehrsprachigkeit und Zugänglichkeit nutzen
Für den offenen Betrieb kann zudem relevant sein, dass das ChatGameLab mehrsprachig nutzbar ist. Die Oberfläche kann in unterschiedlichen Sprachen angezeigt werden, und auch Eingaben können in verschiedenen Sprachen geschrieben oder gesprochen werden. Dies kann Zugänge erleichtern – insbesondere in Einrichtungen mit sprachlich heterogenen Gruppen.
So kann das Tool nicht nur für kreative Spielideen genutzt werden, sondern auch für Gespräche über Sprache, Übersetzung und unterschiedliche Perspektiven. Mehrsprachigkeit wird damit nicht nur als technische Funktion, sondern auch als pädagogische Ressource nutzbar.
Offen begleiten statt stark steuern
Im Unterschied zum Workshop braucht es im offenen Betrieb meist keine durchgehende gemeinsame Struktur. Wichtiger ist eine offene Begleitung, die situativ auf Fragen, Ideen und Unterstützungsbedarfe reagiert. Manche Jugendliche möchten direkt selbst ausprobieren, andere benötigen Hilfe beim Formulieren ihrer Spielidee oder beim Ausfüllen der Felder im Spieleditor. Teilweise können auch Jugendliche, die bereits Erfahrungen gesammelt haben, andere unterstützen.
Diese Form der Begleitung passt gut zur Logik der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Das Angebot bleibt freiwillig, ansprechbar und veränderbar. Die Fachkraft gibt Impulse, unterstützt bei Bedarf und schafft Gelegenheiten für Austausch, ohne den Prozess zu stark vorzugeben.
Austausch und Reflexion situativ aufgreifen
Auch im offenen Betrieb kann das ChatGameLab Anlass zu Gesprächen über KI geben. Anders als im Workshop geschieht dies jedoch meist nicht in einer eigenen Reflexionsphase, sondern situativ im Tun: Wenn ein Spiel besonders gut funktioniert, wenn die KI unerwartet reagiert oder wenn ein Prompt zu einem überraschenden Ergebnis führt.
Solche Momente können genutzt werden, um mit Jugendlichen über die Möglichkeiten und Grenzen generativer KI ins Gespräch zu kommen. Dabei kann es etwa um Halluzinationen, zustimmende Antworten der KI, stereotype Darstellungen oder um die Wirkung von Prompts gehen. Reflexion ist hier weniger ein fester Programmpunkt als vielmehr Teil der laufenden Interaktion.
Ergebnisse sichtbar machen
Wenn im offenen Betrieb eigene Spiele entstehen, kann es sinnvoll sein, diese auch sichtbar zu machen – etwa indem sie anderen Jugendlichen gezeigt, gemeinsam gespielt oder zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufgegriffen werden. Solche kleinen Präsentationsmomente schaffen Anerkennung, regen Gespräche an und machen das kreative Potenzial des ChatGameLab in der Einrichtung sichtbar.
Wenn die Teilnehmenden für ihre Spiele Teilen-Links erzeugen, können sie ihre Spiele außerdem mitnehmen und später erneut aufrufen oder anderen zeigen. So kann die Beschäftigung mit dem ChatGameLab auch über die konkrete Situation in der Einrichtung hinaus fortgesetzt werden.
