3. KI zum Thema machen
Es ist eine wichtige Aufgabe medienpädagogischer Arbeit, mediale Entwicklungen zum Thema zu machen. Denn nur wenn sie im eigenen Leben erkannt, für andere benannt, gemeinsam reflektiert und diskutiert werden, sind sie für eine gesellschaftliche Verhandlung verfügbar. Technische Revolutionen haben unsere Gesellschaft wiederholt verändert, aber mitentscheidend war stets, wie Menschen die Technik genutzt haben: Wofür werden neue Technologien eingesetzt? An welchen Stellen wird ihre Verwendung eingeschränkt? Wem nutzen sie, wem schaden sie? Und welche Unterstützungsbedarfe entstehen durch ihre Verbreitung? Diese Fragen sind auch für die Entwicklung von KI wichtig, denn ihre Antworten beeinflussen, welchen Platz KI-Anwendungen in unserer Gesellschaft haben werden.
Welcher Platz das sein wird, das kann aktuell noch nicht gesagt werden. Umso wichtiger ist, junge Menschen dazu zu befähigen, die Antworten darauf, wie und wofür wir KI nutzen wollen, mitzugestalten. Die Jugendarbeit spielt dafür eine zentrale Rolle, weil sie flexibler als andere Bereiche der Jugendbildung auf neue Entwicklungen eingehen kann und weil in ihr auch problematische Entwicklungen bei der Zielgruppe bearbeitet werden können. Damit die Jugendarbeit dieser Rolle gerecht werden kann, hat diese Handreichung fachliche, rechtliche und methodische Grundlagen für die medienpädagogische Arbeit zu KI zusammengebracht. Die Handreichung soll ein praktischer Baustein für die Arbeit sein, sie hat aber zweifellos auch Begrenzungen. Zu diesen Begrenzungen gehört, dass sie die rechtliche Unsicherheit im Einsatz von KI benennen, aber nicht lösen kann. Diese Unsicherheit wird voraussichtlich noch einige Zeit fortbestehen, bis Grundsatzurteile vorliegen (vgl. Kap. 1.4). Pädagogische Arbeit kann aber nicht warten, bis alles rechtlich geregt ist. Ihre Aufgabe ist es, junge Menschen in ihren Lebenswelten zu begleiten und diese Lebenswelten werden, selbst wenn der auf Werbung abzielende Hype um KI aus den Prognosen genommen wird, zunehmend von KI-Anwendungen durchdrungen.
Mit dem ChatGameLab und dieser Handreichung liegt eine medienpädagogisch gerahmt KI-Anwendung vor, mit der zu verschiedenen Themen um KI gearbeitet werden kann. Rechtliche Herausforderungen für den Einsatz wurden über Nutzungsvereinbarungen und Jugendschutzeinstellungen minimiert. Die Bedienbarkeit und Attraktivität von ChatGameLab als Spieleeditor für Text-Game-Adventures wurde ausgebaut. Verschiedene Anwendungsszenarien für die Jugendarbeit wurden vorbereitet. Neben der Möglichkeit, das ChatGameLab als eine KI-Anwendungen in die eigene Arbeit einzubauen, bietet der Texteditor gleichzeitig auch ein Beispiel, wie die Technologie hinter KI-Chatbots für pädagogische Zwecke genutzt werden kann. Damit ist ChatGameLab im besten Fall nicht nur ein Beispiel, sondern auch eine Anregung, wie Kolleg*innen aus der medienpädagogischen Praxis die technologischen Entwicklungen nutzen und damit für die Jugendarbeit und ihre Zielgruppen zum Thema machen können.
